Anerbengesetze: Warum sie entstanden


G. Ruby, Leiter des Deutschen Erbrechtforums in Baden-Württemberg

Die Bauern besaßen im Laufe der Geschichte als bloße Nutzungseigentümer, denen die Grundherren als Obereigentümer gegenüberstanden, so gut wie keine Möglichkeit über die von ihnen bewirtschafteten Grundstück zu verfügen.

  • 5. Jahrhundert bis 17. Jahrhundert: Für die Bauern gab es keine Verfügungsmöglichkeit.Das Nutzungseigentum am Hof ging zu gleichen Teilen auf die Söhne über
  • 17. und 18. Jahrhundert: Die Grundherren als Obereigentümer erreichen zum Schutz einträglicher Abgaben ein Verbot der „Güterzertrümmerung“. Der Hof geht an den Ältesten oder Vermögendsten, der seine Geschwister abfindet (Gedanke der Gleichbehandlung).
  • Beginn 19. Jahrhundert: Freie Vererbbarkeit der Höfe mit Gefahr der Zerschlagung durch Realteilung. Für die Bauern endete mit der Bauernbefreiung zwar die Leibeigenschaft und sie hatten die Möglichkeit die Höfe von den Grundherren abzulösen, wobei deren Auszahlung staatlichen Rentenkassen vornahmen, an welche die Bauern die Gelder für die Ablösung der Höfe zahlten. Die hohen Ablösungszahlungen führten oft zur Überschuldung der Höfe. Hinzu kamen Abfindungsansprüche weichender Erben im Erbgang. Der familiengeführte Bauernhof insgesamt war in ihrer Existenz bedroht. Viele Landwirte mussten ihre Höfe an Großgrundbesitzer verkaufen und zogen selber in die Stadt, um dort zum Industrieproletariat zu werden. Dies war um so gravierender als mit der Industrialisierung ohnehin immer mehr Menschen in die Stadt zogen. Die Landwirtschaft wurde dringend für die Ernährung der Stadtbevölkerung benötigt. Der Bauer ernährte nicht mehr nur seine eigene Familie, sondern auch die Städte. Während die Stadtbevölkerung mit der Industrialisierung seit Beginn des 19. Jh. exzessiv anstieg, wuchs die Landbevölkerung zahlenmäßig kaum anwuchs. Die Versorgung der Bevölkerung durch die Bauern wurde zum gesamtwirtschaftlichen Problem. Dem steigenden Nahrungsbedarf stand ein durch Überschuldung und Erbteilung geschwächter Bauernstand gegenüber.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts setzte daher die sogenannte Anerbengesetzgebung ein, die in erster Linie die Verfügungsfreiheit beim Vererben einschränkte (1855 Bayern, noch in den 1850ern Hessen, 1888/89 Baden, 1896 Preußen). Man bezeichnet die Anerbengesetze in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts als „Erste Welle der Anerbengesetze“ zum Schutz der Höfe.

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