Bauernbefreiung brachte Eigentum nach 1500 Jahren


G. Ruby, Leiter des Deutschen Erbrechtforums in Baden-Württemberg

Mit „Bauernbefreiung“ bezeichnet man die Ablösung der persönlichen Verpflichtungen der Bauern gegenüber ihren Grund- und Leibherren im 19. Jahrhundert.

Die Bauern konnten bis dahin über die von ihnen bewirtschafteten Fläche nicht frei verfügen. Sie konnten sie nicht einmal frei an ihre Nachkommen vererben. Die Bauern waren nämlich nur sogenannte Nutzungseigentümer. Die von ihnen bewirtschafteten Höfe standen im Obereigentum der Grundherren.

Vom Nutz- zum Volleigentum

Ab dem 5. Jahrhundert war der Begriff „Nutzbesitz“ für die Recht an landwirtschaftlichen Grundstücken bestimmend. Dieser Nutzbesitz spaltete sich in Rechte des Grundherren als Obereigentümers und Rechte des Landwirts als Nutzeigentümer auf. Der Bauer als Nutzeigentümer zog den Nutzen aus dem Boden, musste aber die Abgabenlast (weltlichen und kirchliche Zehnten) tragen. Im Gegenzug war der Obereigentümer zum Schutz der Bauern verpflichtet. Nur ein kleiner Teil der Höfe stand im Eigentum von Bauern selbst. Man nannte diese Glücklichen „freeigene Bauern“. Sie waren keinem Obereigentümer verpflichtet.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Staat als Zentralgewalt immer stärker und die Position der Grundherren immer schwächer. Die Aufklärung brachte die Idee eines freien Bauernstandes. Einen entscheidenden Anstoß zur Bauernbefreiung gab die Französische Revolution. In ihrer Folge wurden in Frankreich die feudalen Abhängigkeiten aufgehoben. Die französische Nationalversammlung hatte bereits im August 1789 alle Fronen, Zehnten und sonstigen Feudalrechte, insoweit diese keine andere rechtliche Grundlage als gewaltsame Einführung hatten oder sonst mit dem Gemeinwohl unverträglich waren, ohne Entschädigung aufgehoben. In Bayern und Baden wurde durch die Einführung des napoleonischen Code civil 1807 die Leibeigenschaft aufgehoben. Damit hatten die Bauern ihre persönliche, aber noch nicht ihre wirtschaftliche Freiheit erlangt. Im wirtschaftlichen Bereich wurde den Bauern jetzt in den deutschten Ländern die Möglichkeit eröffnet, die alten feudalen Lasten abzulösen und damit Volleigentum an den Höfen zu erwerben. Als Ablösesumme wurde z.B. in Bayern der 18-fache in Preußen der 25-fache Jahresbetrag, der bisher an den Grundherren zu zahlenden Abgaben festgelegt. Für die Ablösung und den Erwerb des Volleigentums wurden staatliche Darlehen mit 4prozentiger Verzinsung gewährt. Diese Zahlen erinnern an die heutigen Ertragswertfaktoren und den gesetzlichen Zinssatz.

Auch wenn die Ablösesummen sehr hoch waren, wurde mit der Möglichkeit des Erwerbs von Volleigentum durch die Landwirte eine über 1.500 Jahre bestehende Einschränkung der Bauern beendet.

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