Bauernbefreiung und die Freiheit zu vererben


G. Ruby, Leiter des Deutschen Erbrechtforums in Baden-Württemberg

Die Bauernbefreiung zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte den Landwirten nicht nur die Möglichkeit durch Geschäfte zu Lebzeiten über den Hof zu verfügen. Die Möglichkeit zu vererben wurde ebenfalls geschaffen. Ohnehin ist die Verlängerung der lebzeitigen Verfügungsmöglichkeit über den Tod hinaus ist, also das Erbrecht, nur ein Kind des Eigentumsrechts.

Vor der Bauernbefreiung

waren die Bauern nur Nutzeigentümer. Sie konnten über die Vererbung an ihre Kinder nicht frei entscheiden. Grundsätzlich sah das Erbrecht seit fränkischer Zeit vor, dass die Söhne zu gleichen Teilen erbten. Geradezu legendäre Belege sind die Reichsteilungsregelungen Karls des Großen und vor allem seines Sohnes Ludwig des Frommen. So wie das fränkische Reich geteilt werden sollte und letztlich 843 im Vertrag von Verdun auch in das spätere Frankreich, Deutschland und ein nicht mehr existierendes Mittelreich geteilt wurde, musste auch der Hof – genauer gesagt das Untereigentum daran – unter den Kindern geteilt werden. Erst im 17. Jahrhundert entstand zunächst für den Adel und dann für die Landwirte der Gedanke, dass der älteste Sohn den Besitz bzw. das Nutzungsrecht daran gegen Abfindung der Geschwister im Erbgang  erhalten sollte. In der Abfindungsregelung spiegelt sich der Gedanke der Gleichbehandlung der Kinder wider. Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich dieser Gedanke nahezu im gesamten Deutschen Reich durchgesetzt. Maßgeblichen Anteil hieran hatte der Wunsch der Grundherren nach leistungsfähigen Höfen. Nur sie garantierten dem Ortsadel ein sicheres Einkommen in Form von Abgaben.

Nach der Bauernbefreiung

mit der Aufhebung der Leibeigenschaft und der Ablösung der Höfe, konnten die Höfe von den Landwirten frei vererbt werden. Die Schwächung der ständischen Gesellschaft und die Bauernbefreiung gingen Hand in Hand. Die zum Schutz des Adels eingeführten Teilungsverbote lösten sich parallel zur Schwächung der grundherrlichen Stellung auf. Die freie Vererbbarkeit mit Realteilung der Höfe sollte aber bald zu wirtschaftlichen Problemen führen, so dass eine Gegenbewegung zu den Anerbenrechten einsetzte, die den Hof vor Teilung schützen sollten.

Zeitschiene

Die Bauern besaßen im Laufe der Geschichte folgende Verfügungsmöglichkeiten:

  • 5. Jahrhundert bis 17. Jahrhundert: Keine. Das Nutzungseigentum am Hof ging zu gleichen Teilen auf die Söhne über
  • 17. und 18. Jahrhundert: Die Grundherren als Obereigentümer erreichen zum Schutz einträglicher Abgaben ein Verbot der „Güterzertrümmerung“. Der Hof geht an den Ältesten oder Vermögendsten, der seine Geschwister abfindet (Gedanke der Gleichbehandlung).
  • Beginn 19. Jahrhundert: Freie Vererbbarkeit der Höfe mit Gefahr der Zerschlagung durch Realteilung.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts: Erste Welle der Anerbengesetze zum Schutz der Höfe setzt ein (zuerst Bayern 1855).

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